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Ausstieg: KEF will veraltete UKW-Technologie auf den Friedhof befördern
Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) will ein schnelleres Ende des analogen UKW-Hörfunks. KEF-Mitglied Kay Barthel erklärte der Mitteldeutschen Zeitung (MZ), die doppelte Verbreitung zusammen mit DAB+, die nun schon 15 Jahre anhalte, sei finanziell nicht mehr zu rechtfertigen. Die ARD-Anstalten und Deutschlandradio könnten innerhalb von vier Jahren rund 100 Millionen Euro einsparen, wenn sie ihre Programme ausschließlich digital über DAB+ ausstrahlen würden.
Barthel bezeichnete UKW als "überholte Technik". Die KEF warnt auch vor einem Investitionsstau. Die bestehende Infrastruktur sei in Erwartung einer Abschaltung "auf Verschleiß gefahren" worden. Ohne ein politisch festgelegtes Enddatum müssten die UKW-Anlagen ab 2029 noch einmal umfassend erneuert werden. Der Investitionsbedarf läge dann bei rund 60 Millionen Euro - für eine dann völlig veraltete Technologie, die aber wahrscheinlich auch dann noch rege genutzt würde.
Da man aktuell die Entwicklung alleine dem Markt überlässt, besitzen erst rund 40 Prozent der Deutschen Zugang zu DAB+. Zumeist sind es Besitzer von Neuwagen, hier ist der Zugang seit Ende 2020 Pflicht. UKW ist immer noch der meist genutzte Verbreitungsweg zum Radiohören. Das gefällt vor allem den großen Privatradios mit exzellenter UKW-Frequenzausstattung. Der Frequenzmangel schützt sie vor Konkurrenz, da die meisten Hörer keinen Anlass zum Umstieg sehen. Da die großen Privaten immer noch auf UKW setzen, werden rein private DAB+-Netze aus finanziellen Gründen nur im Schneckentempo ausgebaut, es bestehen noch zahlreiche Lücken vor allem in eher ländlich geprägten Gebieten. Das sorgt für Frust bei Digital-Hörern. Viele behaupten, DAB+ würde schlichtweg "nicht funktionieren".
Umgekehrt haben es rein digital verbreitete Veranstalter schwierig, in die Gewinnzone zu kommen. Ihnen fehlt schlichtweg Reichweite. Viele mussten daher schon aufgeben. Die ARD hat bisher nur punktuell UKW-Frequenzen abgeschaltet und orientiert sich an der Politik. Deutschlandradio befindet sich dagegen bereits im Prozess eines größeren Ausstiegs und hat schon viele UKW-Kanäle aufgegeben. Bis 2032 will die KEF dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk nur noch Mittel für eine DAB+-Verbreitung aus dem Rundfunkbeitrag zuteilen. Die Öffentlich-Rechtlichen müssten die UKW-Verbreitung dann aus anderen Töpfen finanzieren.
Als bisher einziges Bundesland hat Schleswig-Holstein festgelegt, bis 2031 aus dem analogen UKW-Hörfunk auszusteigen. Zwei Privatsender haben schon ihre Frequenzen abgeschaltet. Da es bisher aber keine Sogwirkung aus anderen Ländern gibt, sehen einige auch dieses Ausstiegsdatum am Wackeln.
Mon, 16. Feb 2026
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