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TV und Radio Aktuell

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk als Marktstabilisator und Marktgestalter

Ausgabe vom Donnerstag, 22. Oktober 2026

Ein starkes duales Mediensystem ist auch künftig eine zentrale Voraussetzung für Medienvielfalt, Innovation und demokratische Öffentlichkeit. Private und öffentlich-rechtliche Medien erfüllen dabei unterschiedliche, sich ergänzende Funktionen und tragen so gemeinsam zur Stabilität des deutschen Medienmarktes bei.

Das zeigt das Gutachten „Der deutsche Medienmarkt 2035“, das die Medienökonomen Prof. Dr. Christian Zabel, TH Köln, und Prof. Dr. Ulrike Rohn, Tallinn University, im Auftrag von ARD, ZDF und Deutschlandradio erarbeitet haben. Am 22. Oktober 2026 stellen sie es bei den Medientagen München vor. Das Gutachten ist eine Standortbestimmung für die ökonomische Entwicklung der deutschen Medienbranche. Grundlage waren Interviews zu 51 Zukunftstrends mit Vertretern von Medienhäusern (u.a. RTL, ARD, Netflix), Produktionsunternehmen (u.a. Bavaria, Studio Hamburg), Verbänden (u.a. BDZV und Vaunet), Forschungseinrichtungen und weiteren Akteuren des Mediensektors.

Entschlossene Regulierung globaler Plattformen essenziell

Aus den Einschätzungen der Branchenexperten entwickeln die Ökonomen vier Zukunftsszenarien – in allen verändert sich die Medienbranche grundlegend. Dem Gutachten zufolge setzen US-Technologieplattformen und KI-Anwendungen die privaten deutschen Medien zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Internationale Plattformen könnten weiter an wirtschaftlicher und publizistischer Macht gewinnen. Dadurch könnten vor allem nationale private Medienanbieter mehr und mehr in Bedrängnis geraten, teilweise sogar in existenzielle Bedrohung.

Prof. Christian Zabel: „Die Zukunft der Medienmärkte ist nicht vorbestimmt, sie lässt sich aktiv gestalten. ARD, ZDF und Deutschlandradio können hier eine wichtige Rolle spielen. Sie sind ein starker Faktor für eine positive Entwicklung der deutschen Medienbranche: als verlässliche Auftraggeber, als Ermöglicher und Wegbereiter von Standards und Infrastrukturen sowie als Kooperationspartner. Dort, wo der öffentlich-rechtliche Rundfunk stark ist, lassen sich journalistische Qualität, wirtschaftliche Resilienz und Medienvielfalt in den Szenarien am besten sichern.“

Das Gutachten sieht wenige Anzeichen dafür, dass sich die Lage von selbst bessert. Sollte die Politik nicht entschlossen handeln, könnten internationale Tech-Konzerne bis 2035 den deutschen Markt dominieren. Entschlossen bedeutet: globale Plattformen wirksam regulieren, die digitalen Rahmenbedingungen verbessern und Kooperationen zwischen privaten und auch öffentlich-rechtlichen Anbietern stärken. Dann könnten deutsche Medien auch künftig ein relevantes Gegengewicht bilden.

Prof. Ulrike Rohn: „Alle Szenarien setzen das deutsche Medienökosystem teilweise extrem unter Druck. Medienvielfalt und journalistische Arbeitsplätze gehen verloren, weniger Inhalte ‚Made in Germany‘ entstehen. Das hat nicht nur wirtschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Folgen, denn Qualität und Vielfalt der Medien sind eine wichtige Voraussetzung für demokratische Stabilität.“

Stimmen zur Studie

ZDF-Intendant Dr. Norbert Himmler: „Medienvielfalt und starker Journalismus sind keine Selbstverständlichkeit. Damit Deutschland auch 2035 über ein vielfältiges Medienangebot für alle verfügt, brauchen wir faire Rahmenbedingungen und ein starkes deutsches Medienökosystem. Ein leistungsfähiger öffentlich-rechtlicher Rundfunk stärkt den gesamten Medienstandort in Deutschland: Er sichert journalistische Qualität, fördert Innovation und schafft verlässliche Perspektiven für die nationalen privaten Medienanbieter.“

Florian Hager, Geschäftsführender Vorsitzender der ARD und Intendant des Hessischen Rundfunks:„Demokratie entsteht vor Ort: im Gemeinderat, im Verein, auf dem Marktplatz. Deshalb brauchen wir Perspektivenvielfalt überall, in Frankfurt genauso wie im Vogelsberg. Dafür unentbehrlich ist ein funktionierendes Mediensystem, in dem Verlage, Privatsender und der öffentlich-rechtliche Rundfunk dafür sorgen, dass Menschen wissen, was bei ihnen passiert. Das Gutachten bestätigt, dass wir das nur zusammen schaffen. In der ARD machen wir uns daher stark für Kooperationen mit allen, die unsere Standards und Werte teilen.“

Stefan Raue, Intendant Deutschlandradio: „Demokratie ist auf freie und informierte Meinungsbildung angewiesen. Dafür braucht es eine vielfältige Medienlandschaft und unabhängigen Qualitätsjournalismus. Wie gefährdet dieser auch bei uns ist, zeigt das vorliegende Gutachten. Es zeigt aber auch: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk kann den Medienmarkt der Zukunft stabilisieren, zum Vorteil aller Medienanbieter. Voraussetzung dafür ist ein Gestaltungsrahmen, der die wachsenden Herausforderungen von KI und Plattformökonomie berücksichtigt.“ www.deutschlandradio.de

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