• YouTuber und Medienkompetenz im Fokus der LFK
    Eine sich dramatisch verĂ€ndernde Medienwelt und die wichtige Funktion und Aufgabe der Landesmedienanstalt in Baden-WĂŒrttemberg standen im Mittelpunkt des Empfanges des neuen Vorstandes der Landesanstalt fĂŒr Kommunikation (LFK). Vor ĂŒber hundert geladenen GĂ€sten aus Politik, Wirtschaft, Medien und Hochschulen hoben die Redner die Bedeutung der LFK in einer digitalen Welt hervor.

    „Ohne eine unabhĂ€ngige Medienaufsicht und Regulierung kann unsere Demokratie in Gefahr geraten“, stellte der VizeprĂ€sident des Landtages von Baden-WĂŒrttemberg, Winfried Klenk, klar und lobte die langjĂ€hrige Arbeit der Landesanstalt fĂŒr Kommunikation. „Die LFK sorgt fĂŒr Meinungsvielfalt und Medienpluralismus und hilft so, die Meinungs-, Rundfunk- und Pressefreiheit zu verteidigen“. Der Ausbau und die Förderung der medienpĂ€dagogischen Arbeit als einen der Schwerpunkte der LFK könne nicht hoch genug bewertet werden. Gerade vor dem Hintergrund von Fake News und Hass im Internet leiste die Landesmedienanstalt einen enorm wichtigen Beitrag auch fĂŒr die ZukunftsfĂ€higkeit des Gemeinwesens. Klenk sprach der LFK im Namen des Landtages darum große Anerkennung aus und hob die Arbeit des langjĂ€hrigen Vorstandes unter dem ehemaligen PrĂ€sidenten Thomas Langheinrich und der Mitglieder des Medienrates hervor. „Mit Kompetenz und Leidenschaft leisten aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der LFK einen wichtigen Dienst fĂŒr unser demokratisches Gemeinwesen“. Mit Dr. Wolfgang Kreißig sei es nun wieder gelungen, einen exzellenten Fachmann fĂŒr das Amt des PrĂ€sidenten zu finden. „Ich finde, der Landtag von Baden-WĂŒrttemberg hat mit Ihnen eine sehr gute Wahl getroffen“, lobte VizeprĂ€sident
    Klenk.

    Die intensive Zusammenarbeit mit der LFK gerade auch bei Medienkompetenz-Projekten stellte der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Medien- und Filmgesellschaft Baden-WĂŒrttemberg, Prof. Carl Bergengruen, in den Mittelpunkt. „Medienkompetenz ist wichtiger denn je. Die Nutzer mĂŒssen wissen, wie sie an die richtigen Informationen kommen“. Mit gemeinsamen Projekte werde ein bewussteres und aktives Medienverhalten gefördert. So bieten MFG und LFK etwa Workshops an, in denen junge Menschen selbst Filme produzieren und lernen, sich mit Medien auseinanderzusetzen. FĂŒr Bergengruen gewinnt aber auch ein weiteres Aufgabenfeld der baden-wĂŒrttembergischen Landesmedienanstalt an Bedeutung: „Die Kinder sind im Netz brutalen Programmen hilflos ausgesetzt. Hier sind wir froh, dass wir eine so aktive LFK haben, die gerade auch auf diesem Feld die Medienregulierung vorantreibt“.

    Neue Technik, GerĂ€te, Plattformen und Nutzungsmöglichkeiten erfordern immer mehr Fachwissen und Expertise auch von den Landesmedienanstalten. Der Vorsitzende des Medienrates, Dr. Wolfgang Epp, wies auf die immer komplexer werdenden Themen der LFK hin. So bestimmten Algorithmen, personalisierte Inhalte, Big Data, Fake News oder Schleichwerbung auf YouTube immer stĂ€rker auch die Agenda der Landesanstalt fĂŒr Kommunikation. Sein Credo: VerĂ€nderung managen und als positives Element sehen, um sich weiter zu entwickeln. „Ich bin absolut davon ĂŒberzeugt, dass diese Zeiten des Change Offenheit fĂŒr das Neue brauchen, KreativitĂ€t, Augenmaß aber auch den Mut, Altes und vielleicht Liebgewordenes ĂŒber Bord zu werfen“. Das seien zentrale Herausforderungen fĂŒr Rundfunkveranstalter, MedienhĂ€user und die Landesanstalt fĂŒr Kommunikation gleichermaßen, so der Vorsitzende des Medienrates.

    „Die privaten Radios befinden sich auf einer schiefen Ebene“. Dramatische Worte zur Situation des Hörfunks in der digitalen Medienwelt wĂ€hlte Klaus Schunk. Der stellvertretende VPRT-Vorsitzende und GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Radio Regenbogen beklagte neben dem Wettbewerbsvorteil des öffentlichrechtlichen
    Rundfunks einen Perspektivwechsel in der Medienpolitik: FrĂŒher wurde die Technik nach dem Inhalt gestaltet, heute sei es umgekehrt, die Technik gebe fĂŒr den Content die Rahmenbedingungen vor und das von der Netzstruktur bis zu den EndgerĂ€ten. Schunk kritisierte in diesem Zusammenhang auch, dass im Entwurf fĂŒr das neue Telekommunikationsgesetz nur fĂŒr höherwertige EmpfangsgerĂ€te in Zukunft ein fest im GerĂ€t integrierter Chip zum digitalen Radio-Empfang vorgeschrieben werden soll, Smartphones und Tablet-PCs davon aber ausgenommen sind. „Als ob ein Smartphone kein Radio ist“, wunderte sich Schunk und mahnte einen runden Tisch an, der ergebnisoffen ĂŒber eine Reform der Mediengesetze diskutieren und dann aber auch medienpolitische Entscheidungen nach sich ziehen solle. „Radio leistet gerade in den lokalen und regionalen RĂ€umen eine mediale Grundversorgung und muss darum auf jedem GerĂ€t und jeder
    Plattform auffindbar sein“.

    Eine zeitgemĂ€ĂŸe Mediengesetzgebung - auch fĂŒr Dr. Wolfgang Kreißig ein wichtiger Punkt auf der Agenda der LFK. Der neue PrĂ€sident der Landesanstalt fĂŒr Kommunikation skizzierte in seiner Rede die Herausforderungen der baden-wĂŒrttembergischen Landesmedienanstalt in der sich wandelnden digitalen Welt. Angesichts der großen Marktmacht globaler Unternehmen wie Facebook, Google, Netflix und Co. seien die Player des dualen Systems wie private Rundfunkveranstalter, öffentlich-rechtlicher Rundfunk und die Landesmedienanstalten viel enger zusammengerĂŒckt als je zuvor. „Die Zeit der gegenseitigen Abgrenzung ist vorbei, es gilt gemeinsame Lösungen zu finden, um die duale Medienordnung zu stĂ€rken und zu erhalten", so Kreißig. Hier wolle die LFK als Impulsgeber und Moderator fungieren. Neben einem starken Fokus auf verĂ€nderte Regulierung, angepasste Förderung und Medienkompetenzvermittlung wird die LFK zukĂŒnftig auch intensiver die sozialen Medien und deren Influencer in den Fokus nehmen. Denn sie erreichen Millionen zum Großteil jugendlicher Nutzer und sind darum in diesen Zielgruppen Ă€hnlich relevant wie klassisches Fernsehen oder Radio. „Daraus ergeben sich fĂŒr etwa fĂŒr YouTuber persönlich nicht nur gute Vermarktungsmöglichkeiten und Werbeerlöse, sondern es erwĂ€chst daraus auch eine Verantwortung, zum Beispiel fĂŒr Transparenz in Sachen Werbung oder Jugendmedienschutz“, stellte Kreißig klar. „Viele sind sich bereits ihrer Verantwortung bewusst und wollen gerade das Thema Werbung in den Griff bekommen - letztlich auch um in ihrer Community glaubwĂŒrdig zu bleiben. Es gibt aber auch andere, bei denen wir erst noch die nötige SensibilitĂ€t fĂŒr diese Themen schaffen wollen“.

    Der seit 3. April 2017 amtierende Vorstand der LFK besteht aus dem hauptamtlichen PrĂ€sidenten und Vorsitzenden des Vorstandes, Dr. Wolfgang Kreißig und vier ehrenamtlichen VorstĂ€nden. Stellvertretende Vorsitzende ist die RechtsanwĂ€ltin Bettina Backes, die in den vergangenen zwölf Jahren bereits stellvertretendes Mitglied des Vorstands war. Als neue VorstĂ€nde wirken Professor Dr. Ines MĂŒller-Hansen und Anneke Graner. Sie alle wurden, wie das langjĂ€hrige Vorstandsmitglied Prof. Dr. Hans-Peter Welte, vom Landtag fĂŒr sechs Jahre gewĂ€hlt. Der Vorstand und der 37-köpfige Medienrat sind zwei Organe der LFK. www.lfk.de


    Thu, 18. May 2017




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